Die Mosterei
Die Obstpresse mit Erhitzung und Abfüllung (Höchstadt, Obere Brauhausgasse 6)
Hier ist besonders zu erwähnen, das jeder Anlieferer den Saft seines eigenen Obstes sofort mit nach Hause bekommt. Die Qualität des Obstes entscheidet über die Qualität des Saftes.
Auch für diese Anlage unseres Vereins nachstehend die Entstehungsgeschichte:
1922 Einrichtung einer Mosterei.
1927 Kauf eines Süßmostapparates.
1959 Einrichtung der Mosterei im alten städtischen Brauhaus (vorher befand sie sich im Anwesen Bamberger, Kleine Bauerngasse).
1982 Anschaffung einer neuen Obstpresse für DM 3.270,--
1983 Umbau und Umzug der Obstpresse in die jetzigen Räume, da das bisherige Gebäude (Kommunebrauhaus, jetzt Sitzungssaal des Stadtrates) baufällig war.
1984 Anbringen der Wandfliesen in der Mosterei.
1987 Anschaffung einer neuen Obstpresse (Doppelpackpresse 130 l, mit Waschanlage und Rätzmühle). Kaufpreis DM 16.880,-- zuzügl. Kosten für Elektro- und Wasserinstallation.
1993 Verlegung der Bodenfliesen in der Mosterei, Kosten ca. DM 4.000,--
1994 Kauf einer handbetriebenen Obstmühle sowie einer wasserhydraulischen Fruchtpresse (transportabel) zur Ausleihung an Mitglieder. Diese Presse ist geeignet für kleinere Mengen Obst und besonders gedacht auch zur Kelterung von Beeren und Trauben.
1995 Einbau eines Elektro-Durchlauferhitzers in der Mosterei für DM 2.000,--
1996 Generalüberholung der Obstpresse und Installation von neuen Leuchten. Kosten hierfür nur ca. DM 1.500,--, da wieder alle Arbeiten von Vorstandschaft und Mitgliedern kostenlos durchgeführt wurden.
Zusage der Stadt für einen weiteren Raum und die Anschlussmöglichkeit an die vorhandene Heizungsanlage, da der Kamin der Brennerei für eine Heizungsanlage nicht geeignet ist. Damit war der Weg frei für die Erweiterung der Mosterei um eine Entkeimungs- und Abfüllanlage.
1997

Planung, Kauf und Einbau einer Klärzentrifuge, eines Plattenwärmetauschers für die Obstsaftentkeimung und einer Abfüllanlage. Einbau und Umbau der vorhandenen Obstpresse, Elektro- und Sanitärinstallation incl. aller benötigten Zubehörteile (Schläuche, Wannen, Pumpen, Wärmezähler, Thermostate usw.). Da die Anlage wegen der bei uns vorhandenen Gegebenheiten nicht „von der Stange“ gekauft, sondern einzeln beschafft und aufeinander abgestimmt werden musste, konnte die Anlage leider nicht wie geplant zur Saison 1997 in Betrieb gehen. Nach vielen Versuchen, Testläufen sowie teilweise mehrmaligem Austausch und Einstellungen der Umwälzpumpen und Thermostate lief die Anlage im Januar 1998 endlich fehlerfrei und konnte für die Obstsaison 1998 erstmals genutzt werden.

Die Gesamtkosten für diese Investition betrug (ohne Anrechnung der vielen freiwillig und unentgeltlich geleisteten Arbeitsstunden) rund DM 26.000,-- und war somit die bisher größte Anschaffung des Vereins.

Am 19. Juni überreichte uns Herr Bezirkstagspräsident Gerd Lohwasser im Rahmen einer kleinen Feierstunde den Zuschuss-Scheck des Landschafts-Pflegeverbandes Mittelfranken in Höhe von DM 5.000,-- für die Investition in die Obstverwertung.

1999 Bei der Obstsaftherstellung erwies sich die Zentrifuge als zu laut und umständlich in der Handhabung. Deshalb wurde nach einer anderen Lösung für das Entfernen von größeren Fruchtrückständen im Saft gesucht. Auf Empfehlung von Fachleuten kauften und installierten wir deshalb anstelle der Zentrifuge ein Drehbürstensieb mit einer Lochung von 0,5mm. Die Investitionskosten betrugen nochmals DM 8.000,--
2001 Neben der Abfüllung von Obstsaft in Flaschen nun auch Abfüllung in „bag in box“. Diese neue Art der Abfüllung in PE-Beutel mit Umkarton hat sich als hervorragende und günstige Alternative zu den Flaschen etabliert.
2004

Die Obstmühle mit Waschanlage war erneut stark verrostet und reparaturbedürftig. Wir entschlossen uns daher zum Kauf eines Neugerätes aus Edelstahl. Durch geschicktes Verhandeln erzielten wir den äußerst günstigen Preis von nur 7.500,00 €. Auch das Altgerät konnten wir noch für 500,00 € verkaufen. 

Auf der Ausstellung Interfruta in Stuttgart sahen wir eine Geräteanordnung zur selbstständigen und automatischen Temperaturüberwachung bei der Obstsaftherstellung. Da dies eine Verbesserung der Sicherheit bei der Saftabfüllung bringt, beschlossen wir auch diese Geräte zu kaufen und einzubauen. Kosten dafür ca. 600,00 €.

2007

In der Saison 2006 stellten wir fest, das uns die Umstellung der städtischen Heizung von Öl auf Gas große Probleme bereitete. Der Gasbrenner reagierte viel langsamer als der Ölbrenner und wir konnten nicht kontinuierlich arbeiten, da die Temperatur des Wärmetauschers häufig absank.

Wir mussten uns deshalb von dieser Wärmequelle verabschieden und gingen auf Suche nach einer guten Alternative.

Diese fanden wir in einem Edelstahl-Komplettgerät mit Ölbefeuerung. Dazu war es allerdings noch nötig, einen Edelstahlkamin einzubauen. Gleichzeitig konnten wir zur Qualitätsverbesserung (weniger Trubanteile im Saft) einen gebrauchten, überholten Separator neuerer Generation (viel leiser als der von 1997) erstehen und in die Verarbeitung integrieren.

Zusätzlich erwarben wir gebraucht: 1 GFK-Öltank 1.000 l und eine Edelstahl-Wanne zum Vorbunkern des Saftes. De weiteren musste auch noch die Hydraulikpumpe der Obstpresse erneuert werden.

Diese Maßnahmen kosteten uns insgesamt rund 30.000,00 €

2013

Zur Arbeitserleichterung stellten wir das Pressverfahren um von der Packpresse auf eine neue Bandpresse. Für die Beförderung des Tresters von der Presse auf die bereit gestellten Anhänger kauften wir auch ein Förderband und bauten ein Fenster ein. Auch der Separator wurde in ein verbessertes Modell getauscht. Die Investition einschließlich der Maurer-, Fliesenleger- und Installationsarbeiten betrug rund € 70.000,00. Im Rahmen des europäischen Leader-Programms konnten wir hierzu einen Zuschuss von rund € 13.000,00 erhalten.


Seit 1999 kauft der Verein von Mitgliedern überschüssige Äpfel auf und verarbeitet diese zu Apfelsaft. Abgefüllt in 5- und 10-Liter "bag in box" bieten wir der Bevölkerung das ganze Jahr über diesen naturreinen, fruchttrüben und wohlschmeckenden Saft zum Kauf an.

Durch diese Angebote konnten wir die Verarbeitung von heimischem Obst laufend steigern. So haben wir im Jahr 2006 aus rund 1.030.000 kg Obst (überwiegend Äpfel) über 85.600 Liter Saft gepresst und davon über 76.200 Liter durch Erhitzung haltbar gemacht und abgefüllt.

 

Saft von eigenen Äpfeln

 

Für qualitativ hochwertigen, naturtrüben Direktsaft ist der optimale Reifegrad des Obstes sehr wichtig. Äpfel, die zu Saft verarbeitet werden sollen, müssen zwischen der Pflückreife (Frucht löst sich bei leichter Drehung zwischen Stiel und Baum) und der Genussreife (Obst kann gegessen werden) geerntet werden. Zu weiches bis mehliges Obst ergibt weniger Saft und einen hohen Trubanteil im Saft.

Je nach Sorte und Reifegrad des Obstes entsteht bei der Pressung ein Direktsaft mit mehr oder weniger Trubanteilen. Richtig geerntetes Obst wird einen klareren Saft liefern, während reifes, weiches Obst einen sehr trüben Saft ergibt.

Zu lange und unsachgemäß gelagertes Obst (z.B. in Plastiksäcken) verschlechtert die Qualität des Saftes. Auch faule Früchte eignen sich nicht zur Saftgewinnung.

Das Obst wird bei uns in der Waschanlage gereinigt und kommt dann über eine Schnecke zur Rätzmühle. Von dort in den Dosierkasten und weiter auf die Presse. Der ausgepresste Saft wird fein gesiebt und in einen Zwischenlagerbehälter gepumpt. Durch kurze und schonende Erwärmung im Wärmetauscher wird der Saft haltbar gemacht und ohne Zusatzstoffe mit ca. 80 °C in Flaschen oder Beutel (Bag-in-Box) abgefüllt.
 

Unser Mostereibetrieb
 

1.     Grundsätze
 
      Die vereinseigene Mosterei ist nach einem aufwendigen Arbeits- und Betriebsverfahren konzipiert. Dadurch sollen folgende Produktionsgrundsätze durchgesetzt werden:
  a)   Jeder Anlieferer erhält sofort den Saft seines eigenen frischen Obstes.
    - Die größtmögliche Produktqualität setzt eine entsprechende Behandlung des Obstes voraus. So muss das angelieferte Mostobst frisch und reif sein, nach dem Motto: „Morgens noch auf dem Baum, abends entkeimt in Flaschen im Keller“. Sind zwischen Obsternte und Mosttermin noch einige Tage, sollte das Obst im Gras liegen bleiben und erst kurz vor dem Mosten eingesammelt werden, es bleibt so länger frisch.
  b)   Schnelle Verarbeitung ohne Verzögerung bis zum Endprodukt.
    - Durch Voranmeldung kann das Obst am vereinbarten Termin vollständig verarbeitet werden. Das ist wichtig, denn unbehandelter Rohsaft verliert innerhalb von 24 Std. bis zu 50% seines Vitamin-C-Gehaltes.
  c)   Sofortiges Abfüllen und Verschließen .
    - Unsere Anlage ist eingestellt auf 1l-Standard-Flaschen mit Schraubverschluss. Bei größeren Mengen einheitlicher Flaschen eines Anlieferers kann auch auf eine andere Flaschengröße umgestellt werden.
      Überwiegend geschieht die Abfüllung im sogenannten „Bag in Box“ – System. Dabei wird der Saft in 5-l oder 10-l Beutel mit Auslaufhahn abgefüllt. Die Beutel können platz- und gewichtssparend in gebrauchten Gemüsekartons (vom Gemüsehändler) transportiert und aufbewahrt werden.
      Zum Entleeren ist dann ein spezieller Karton, der mehrmals verwendet werden kann, zu empfehlen.
Der Beutel kann nur einmal verwendet werden und wird nach der Entleerung im „gelben Sack“ entsorgt. Das platzintensive
Aufbewahren und umständliche Reinigen der Flaschen entfällt.
Im ungeöffneten Beutel hält der Saft genau so lange wie in den Flaschen. Da durch den Auslaufhahn bei richtigem Gebrauch keine
Luft in den Beutel kommt, kann ca. 3 Monate lang ohne Qualitätseinbuße Saft entnommen werden.

 

2.     Verarbeitung des Saftes
 
  a)   Frisch aus der Obstpresse schmeckt der Saft am besten: Aroma, Vitamingehalt, wertvolle Enzyme und Spurenelemente sind weitgehend unverändert vorhanden. Gekühlt kann dieser Rohsaft einige Tage (pur oder mit Mineralwasser gemischt) getrunken werden, bevor er zu gären anfängt.
  b)   In entsprechenden Gebinden eignet sich der Rohsaft sehr gut zum Tiefgefrieren. Damit können die gesunderhaltenden Eigenschaften des Rohsaftes bestens konserviert werden. Als Vitaminspender ist dieser Saft besonders in den Wintermonaten sehr wertvoll.
  c)   Beliebt und bekannt seit alter Zeit ist auch die Herstellung von Apfelwein aus dem frischen, nicht wärmebehandelten Saft.
  d)   Nach der auf Wunsch bei uns durchgeführten  Wärmebehandlung (Entkeimung, Pasteurisierung) werden die Schimmelpilze und Hefebakterien so weit reduziert, dass sie für die Haltbarkeit des Obstsaftes keine Rolle mehr spielen. Bei Flaschenabfüllung ist die Sauberkeit der mitgebrachten Flaschen und Verschlüsse sowie der absolute Luftabschluss allerdings eine wichtige Voraussetzung.

 

3.     Das Verarbeiten unter Mithilfe der Kundschaft:
 
      Das angelieferte Obst wird in die Waschanlage geschüttet und von dort mit der Waschschnecke in die Rätzmühle gefördert. Das zerkleinerte Obst gelangt in die Presse und wird ausgepresst. Der Saft läuft über ein Sieb mittels einer Pumpe durch den Literzähler entweder
  a)   als Rohsaft in bereitgestellte Behälter des Kunden oder
  b)   über den Separator in den Vorratsbehälter.
      Vom Vorratsbehälter nun wird der Rohsaft zur Entkeimung durch den Wärmetauscher in den Abfüller gepumpt und dann in Flaschen oder Beutel (Bag-in-Box) abgefüllt.
   

a)

b)

  Die beiden vom Kunden zu stellenden Helfer sorgen

für den Transport der Äpfel in die Mosterei und Entleerung in die Waschanlage

Abtransport der gefüllten Beutel oder Flaschen

  c)   bei Abfüllung in Flaschen für die laufende Befüllung des Flaschenvorwärmers mit sauberen, leeren Flaschen und für die Verschließung mit Schraubverschluss (danach 1x auf den Kopf stellen nicht vergessen)
     

 

4.     Der Presskuchen (Trester)
 
      Die Rückstände aus der Obstpresse sind z.B. gut geeignet als Futter für Wild oder Schafe und werden gerne von den ortsansässigen Jägern abgeholt, so dass die Entsorgung keine Probleme bereitet.

 

      Schlussbewertung
      Durch die vorhandenen Möglichkeiten der Obstverwertung wird der Verein seinem Auftrag gemäß §2 der Vereinssatzung „Der Verein bezweckt im Rahmen des Obst- und Gartenbaues die Förderung der Landespflege und des Umweltschutzes zur Erhaltung einer schöner Kulturlandschaft und der menschlichen Gesundheit“ gerecht.

Wir bieten eine nutzbringende, wertvolle Verwendung der Erträge aus den Streuobstbeständen. Die Besitzer der Obstbäume erkennen wieder vermehrt deren Wert in wirtschaftlicher, ökologischer und landschaftspflegerischer Sicht. Damit bekommt der heimische Obstanbau wieder den Stellenwert, den er früher hatte und der wesentlich zum Erscheinungsbild unserer Heimat beiträgt.

Die Anlage zur Obstsaftgewinnung steht zwar auch Nichtmitgliedern zur Verfügung, jedoch genießen bei Kapazitätsengpässen Mitglieder Vorrang gegenüber Nichtmitgliedern.
 

Wir bieten an, solange Vorrat nach der Ernte reicht:

 Apfelsaft, naturrein und fruchttrüb in Bag-in-Box

aus Obstbeständen rund um Höchstadt. Unser Saft ist ohne Zusätze aus gesunden Früchten selbst gepresst, erhitzt und abgefüllt. Deshalb setzt sich immer etwas Fruchtfleisch auf dem Boden ab. Da sich während der Presssaison die Apfelsorten laufend ändern, ist auch  der Geschmack des Saftes etwas unterschiedlich.

 Wir haben, solange der Saftvorrat reicht, jeden 2. Mittwoch von 16.30 bis 17.30 Uhr in unserer Mosterei und Brennerei in Höchstadt, Obere Brauhausgasse 6, zum Verkauf geöffnet. Dann erhalten Sie dort auch unsere selbst hergestellten Spirituosen.

Telefonische Auskunft über die Öffnungszeiten erhalten Sie unter 09193-4673 (siehe auch Veröffentlichung im Amtsblatt).

Unter der gleichen Nummer erfolgt während der Obstsaison die Anmeldung zum Pressen (ab 19.00 Uhr).